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Alleine unter Paaren – Single-Urlaub auf den Kapverden

alleine auf den Kapverden

Meine Reise auf die Kapverden war mein erster Urlaub, den ich ohne Partner oder Freunde verbracht habe. Die Inseln auf der Höhe des Äquators haben mich schon immer gereizt. Und da ich bereits mehrfach auf Fuerteventura war und Klima wie Landschaft sehr liebte, war ich hoffnungsvoll, dass es mir dort gefallen könnte. Ich entdecke im Internet Flüge, die so unglaublich günstig waren, dass man einfach zuschlagen musste. Dennoch zögerte ich lange, bis ich tatsächlich gebucht habe.

Angst vor der eigenen Courage

Während ich unentschlossenen war, ob ich das Abenteuer tatsächlich wage, habe ich mich durch sämtliche Blogs und Reiseberichte gegoogled. Ich schaute mir unzählige Fotos von den Kapverden an und las Hotelbewertungen. Ich recherchierte, wann die beste Reisezeit war und wogegen ich mich impfen musste. Zusammengefasst tat ich alles erdenkliche, um eine Entscheidung herauszuzögern und mir gleichzeitig selbst zu versichern, dass ich das einzig richtige tat. Denn ich hatte einen dermaßen großen Knoten im Bauch bei der Vorstellung alleine zu verreisen wie vor einer Matheprüfung, für die ich nicht genug gelernt hatte. Am Ende buchte ich doch – mit heftigem Herzklopfen und schwankend zwischen Angst und Vorfreude. Zum Glück hatte ich noch ein bisschen Zeit, bis die Reise losgehen sollte. So konnte ich mich gedanklich ein wenig darauf vorbereiten.

Kapverden

So viele unbegründete Sorgen

Kurz vor dem Abflug bekam ich doch ein wenig Panik. War es gefährlich als Blondine in einem afrikanischen Land zu urlauben? Hoffentlich ging alles reibungslos mit dem Visum über die Bühne. Und verdammt noch mal wie kam ich eigentlich vom Flughafen zum gebuchten Hotel? Auch die sechs Stunden im Flugzeug grübelte ich weiter und versuchte mich zu entspannen. Das war allerdings gar nicht so einfach, zumal es nicht nur mein erster Urlaub alleine war, sondern auch meine erste Fernreise. Mein Reisepass war quasi jungfräulich und der Stempel von den Kapverden war allererste darin. Erst einmal angekommen, waren alle meine Sorgen völlig unbegründet. Das Hotel hatte sich um mein Visum gekümmert und vor dem Flughafen warte eine Reihe an Taxis, von denen mich eines in mein Urlaubsdomizil chauffierte.

Where’s your man?

Die Fahrt vom Airport zum Hotel kostet auf der Insel Sal, die ich mir ausgesucht hatte, pauschal zehn Euro. Bezahlt werden kann außerdem bequem in Euro. Während der Fahrt ließ ich mir den warmen Wüstenwind um die Nase wehen und plauderte etwas mit dem Fahrer. Während mein Blick über die trockene Vulkanlandschaft schweifte, erzählte mir der Taxifahrer, dass es vor zwei Wochen ziemlich geregt hat und die Insel komplett unter Wasser gestanden hatte. Noch immer sah man hier und da größere Pfützen, in denen noch etwas vom Regen übrig geblieben war. Der Fahrer konnte übrigens absolut nicht verstehen, dass ich alleine reise. „Where’s your man“, fragte er mich – eine Frage, die ich noch öfter hören sollte. Am Hotel angekommen gab dem jungen Mann ein dickes Trinkgeld und stieg aus.

Ankommen mit einem Lächeln

Mein Domizil war das Morabeza Hotel in Santa Maria, das älteste im Ort, und meiner Meinung nach auch das schönste Hotel auf Sal. Ich bekam ein Doppelzimmer für mich alleine mit einer kleinen Terrasse. Ich zog mich schnell um und ging an der Strand, der nur durch einen kleinen Weg vom Hotel getrennt ist. Und dann durchflutete mich so etwas wie pures Glück. Ich stand da und grinste von einem Ohr zum anderen. Ich blickte auf Puderzucker weißen Sand, türkisblaues Wasser und bunte Boote, die auf dem Meer trieben. Die Luft war schwül und ein starker Wind zerzauste mir die Haare. Bis zum Abendessen war noch ein bisschen Zeit und deswegen entschloss ich mich dazu, einen kleinen Spaziergang zu machen.

Alleine unter Straßenhändlern

Direkt neben Morabeza Hotel befand sich die Stadt Santa Maria. Den Ort als Stadt zu bezeichnen ist eigentlich übertrieben. Es ist mehr oder weniger eine Ansammlung von Geschäften und Restaurants. Ich  merkte schnell, dass es gar nicht so einfach war, als Tourist unbemerkt zu bleiben. Ständig wurde ich von den Straßenhändlern angesprochen und eingeladen, in irgendwelche Geschäfte zu gehen. Natürlich hatte jeder von ihnen einen Onkel, Bruder oder Neffen in Deutschland. Und permanent kam auch die Frage, ob ich denn tatsächlich alleine hier sei. Weil die Herren mir daraufhin ihre persönlichen Dienste anboten, flunkerte ich künftig, dass mein Freund im Hotel sei. Diese Ausrede erwies sich als ziemlich praktisch. Während meines Urlaubs habe ich übrigens erfahren, dass es auch viele allein reisende Frauen gibt, die sich auf den Kapverden einen Lover zulegen. Die Fragen der fliegenden Händler kamen also nicht von ungefähr.

Straßenhändler auf den Kapverden

Einsamkeitsmomente beim Essen

Später im Restaurant fühlte ich mich doch ziemlich einsam und hatte das Gefühl, ich würde die mitleidigen Blicke der anderen Gäste auf mir spüren. Ich setzte mich erst einmal an die Bar und sprach mit dem Barkeeper. Ich war so dankbar, dass ich mit jemandem reden konnte. Als ich dann alleine an meinem Tisch saß und rings um mich herum nur Paare, kam ich mir ziemlich blöd vor. Ich aß so schnell wie möglich und verkroch mich anschließend auf mein Zimmer. Da es auf Sal bereits um 19 Uhr stockdunkel wurde, habe ich mich nicht in die Stadt gewagt. Das habe ich übrigens während meines gesamten Urlaubs nicht getan. Ich glaube nicht, dass Santa Maria ein gefährliches Pflaster ist – zumindest nicht dort, wo Geschäfte und Restaurants sind – aber ich fühlte mich ohne Begleitung, vermutlich unbegründet, nicht sicher.

Unterhaltungsprogramm zur Beschäftigung

In den nächsten Tagen suchte ich mir ein Programm, mit dem ich mich während meines Urlaubs beschäftigen konnte. Ich machte ein Katamaran-Tour, besuchte eine Kirche im Ort und erlebte eine Schildkrötenbeobachtung – allerdings auch hier nur Paare, die sich während der Kälte der Nacht aneinander kuschelten, während ich bibbern und solo vor mich hin fror. In solchen Momentan ging es mir nicht besonders gut. Da merkte man schon, dass irgendetwas fehlte. Während dieser Augenblicke wünschte ich mir jemanden, mit dem ich meine Eindrücke teilen konnte oder mit dem ich einfach nur zusammen schweigen konnte. Aber auch solche Momente gehen wieder vorbei.

Katamarantour auf den Kapverden

Offen sein für neue Kontakte

Auf der Schildkrötentour habe ich auch ein nettes Paar kennengelernt, mit dem ich mich für den nächsten Tag verabredet habe. Ein anderer glücklicher Zufall verschaffte mir die Begegnung mit einer Deutschen, die auf den Kapverden lebt. Eines Tages fand am Strand von Santa Maria eine Hochzeit statt und wie es der Zufall war, sah ich das Brautpaar beim Abendessen in meinem Hotel. Ich überlegte erst einem Weile, nahm daraufhin meinen Mut zusammen und sprach sie an. Ich sagte, dass ich Ihnen gratulieren möchte und was für eine wundervolle Hochzeit das doch war. Die Begleitung des Paars, eine Frau mittleren Alters, fragt mich daraufhin woher ich komme und ob ich alleine hier sein. Als ich dies bejahte und erzählte, dass ich aus Deutschland komme, berichtete sie mir von einer Deutschen, die hier lebt. Und dann, einfach so, stellte sie den Kontakt zwischen uns her. So kam es, dass ich plötzlich gar nicht mehr so alleine unterwegs und meine persönliche Reiseleiterin gefunden hatte.

Alleine auf den Kapverden? Sofort wieder!

Nach fast einer Woche begrüßten mich die Straßenhändler mit Vornamen und ich fühlte mich tatsächlich angekommen. Ich war wahnsinnig traurig als ich am Ende meines Urlaubs wieder in den Flieger stieg und glücklich, dass ich mich getraut hatte, alleine zu reisen. Zusammengefasst lässt sich sagen, dass dies einer der schönsten Urlaube meine Lebens war. Ich kann nur jedem raten, das Abenteuer zu wagen und offen für Neues zu sein. Vielleicht sind die Kapverden nicht das ideale Ziel für einen Alleinreisenden, da die Inseln im Atlantik der absolute Päarchenhimmel sind. Aber dennoch: Es hat sich gelohnt.

2 Kommentare

  1. Sehr interessant, über deine Reise ohne Mann zu lesen. Bei mir ist es umgekehrt: Ich verreise so gut wie immer mit meiner besseren Hälfte, dafür bin ich zuhause oft alleine wenn mein Mann auf Geschäftsreise ist. Da gibt es dann wieder ganz andere Herausforderungen zu meistern. Die Frage „Where’s your man“ oder eben auf Deutsch, wo mein Mann ist, kenne ich leider auch zu gut…

    Die Kapverden sehen übrigens toll aus! Habe schon so viele begeisterte Reiseberichte gelesen und möchte dort auch mal irgendwann hin.

    Liebe Grüße, Sina

  2. Kati sagt

    Hey Sina,

    die Kapverden sind wirklich traumhaft. Sie sollen so sein wie Fuerteventura vor 20 Jahren. Ich war allerdings nur auf Sal. Beim nächsten Mal würde ich mir auch ein paar der anderen Inseln anschauen.

    Mit Partner war ich auch lange Zeit auf Reisen und das ist ebenfalls sehr schön. Allerdings hängt man dann sehr in seiner Partnerblase fest. Wenn man alleine reist, ist man gezwungen auf andere Leute zuzugehen. Das ist eine ziemliche Herausforderung.

    Liebe Grüße,
    Katja

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